Der ver.di Aktivenkreis beim Callcenter Concentrix (vormals buw, vormals Convergys) Münster stellt sich vor

Bekanntermaßen sehen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Callcentern nicht gerade rosig aus. Arbeiten in Großraumbüros, ein enormes Arbeitspensum, die Anforderung von umfassenden Knowhow je nachdem für welches Unternehmen man telefoniert, ein Lohn „zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben“, die Bedrohung von Altersarmut usw. stellen für die Beschäftigten eine dauerhaft große Belastung da.

Um nicht weiter abzuwarten und darauf zu hoffen, dass sich ihre Arbeitsbedingungen wie durch ein Wunder irgendwann von selbst verbessern haben sich im Jahr 2013 eine Handvoll Beschäftigter ver.di Mitglieder des Callcenters Concentrix (damals buw) entschlossen die Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen selbst in die Hand zu nehmen und einen sogenannten ver.di Aktivenkreis zu gründen.

Seither treffen sich die Mitglieder ca. einmal im Monat (während Corona auch per Telefon- oder Videokonferenz) und koordinieren von hier aus die gewerkschaftlichen Aktivitäten im Betrieb.

Der Aktivenkreis hat aus seiner Mitte einen Vorsitzenden + Stellvertreter gewählt, dieser lädt zu den Treffen ein und legt in Abstimmung mit den weiteren Mitgliedern die jeweilige Tagesordnung fest.

Seit Gründung im Jahr 2013 tritt der Aktivenkreis regelmäßig innerbetrieblich, aber auch öffentlich mit kreativen Ideen und Aktionen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, aber auch lokalpolitisch in Erscheinung.

Als einen der bisher größten Erfolge des Aktivenkreises darf man wohl die Offensive gegen die Befristung von Arbeitsverträgen bei Concentrix im Jahr 2016 bezeichnen.

Als Kick-off der Offensive organisierten die Aktiven einen Infostand am Betrieb, um die Kolleginnen und Kollegen über die Problematik von befristeten Arbeitsverträgen zu informieren. Für besonderes Aufsehen sorgten Aktionen, bei welchen z.B. mit „Befristung? – ab ins Klo!“ bedruckte Klopapierrollen überall im Betrieb verteilt wurden oder auch „Unbefristet! – Jetzt“ Aufkleber. Außerdem haben die Aktiven vor dem Betrieb eine Mauer aus Kartons aufgebaut und diese unter dem Motto “Mauer der Befristung durchbrechen“ symbolisch durchbrochen. Offenbar haben all diese Aktionen beim Arbeitgeber einen solchen Eindruck hinterlassen, dass neue Arbeitsverträge kurz nach der Offensive nur noch unbefristet abgeschlossen und alle befristeten Verträge entfristet wurden. Ein großer Erfolg für den Aktivenkreis.

Auch mit Aktionen gegen den Verkauf von BuW an Convergys 2016 oder die im Callcenter geltende Regelung zur Krankenquote im Jahr 2017/2018/2019 machte der Aktivenkreis von sich reden.

Zum Weltfrauentag verteilen die Aktiven jedes Jahr Blumen an die Kolleginnen im Betrieb. Auch zu Nikolaus findet so gut wie jedes Jahr eine Aktion für die Beschäftigten statt. Unter dem Motto“ Unsere Arbeit ist mehr wert!“ wurden beispielsweise schon mal Schokonikoläuse im Betrieb verteilt.

An den bis zu 4 Mal im Jahr stattfindenden Betriebsversammlungen beteiligt sich der Aktivenkreis immer mind. mit einem ver.di Infostand und gut vorbereiteten Wortbeiträgen.

Seit 2017 bietet der Aktivenkreis regelmäßig einen offenen ver.di Treff für Beschäftigte außerhalb des Betriebes an.

Seit 2015 veröffentlicht der Aktivenkreis zu aktuellen Themen im Betrieb einen Newsletter.

Neben all den inhaltlichen Themen und Aktionen kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. 2016 und 2017 veranstaltetet der Aktivenkreis zusammen mit ver.di ein Sommerfest.

Dass man auf Dauer eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Callcentern nur mit der Durchsetzung eines Tarifvertrages erreichen kann, ist den Mitgliedern des Aktivenkreises schon lange klar. Auf einer Klausurtagung im Oktober 2019 haben sie hierfür eine gemeinsame Strategie verabredet. Neben vielen kleinen Aktionen, sollten zunächst Unterschriften „Für mehr Geld“ im Betrieb gesammelt werden. Mit einer Kick-off Veranstaltung Anfang Februar 2020, bei welcher Currywurst an die Beschäftigten verschenkt wurde, ist diese Kampagne erfolgreich gestartet. Die Corona Pandemie und die fristlose Kündigung des Aktivenkreissprechers hat die Kampagne arg gebremst.  

Inzwischen hat der Aktivenkreissprecher – begleitet von zahlreichen Solidaritätsaktionen- erfolgreich gegen seine Kündigung geklagt und ist bereits an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Als nächstes wird es darum gehen, die im Februar erfolgreich gestartete Tarifbewegung wieder in Schwung zu bringen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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